n.B.u
MÜNCHEN 
REVIEW

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Bob Dylan in München


München 2005

Wiener Zeitung
von

Konstanze Walther

Bo

"Himmel, es ist egal, es ist Dylan!"

Dylan gastiert mit seiner "Never Ending Tour" in München: The Times they are not a-changing
Bob Dylan präsentierte sich Dienstagabend in der Münchner Zenith-Halle so, wie man ihn kennt: wortkarg, störrisch und als fantastischer Musiker. Bei den Konzerten in Deutschland verzichtet er aber darauf, selbst Gitarre zu spielen, und begnügt sich mit seiner Mundharmonika und dem Keyboard, an dem er die meiste Zeit des Abends breitbeinig steht. Unterstützt wird er von fünf Musikern.

Seit 1988 befindet sich der Folkbarde auf der (inoffiziell so bezeichneten) "Never Ending Tour", eine Tournee mit Unterbrechungen, die weder eine neue Platte noch einen sonstigen Anlass braucht, es geht hier einzig um die Freude am Spielen. Diese war in München auch deutlich merkbar. Der Mann ist Musiker und hat sich immer dagegen gewehrt, als "Sprachrohr einer Generation" wahrgenommen zu werden. Also merke: Nur Musiker, kein Entertainer – Kommunizieren ist seine Sache nicht. Er beschränkt sich auf Singen, Musizieren und das Vorstellen der Bandmitglieder.

Die Stimme des 64-Jährigen krächzt und näselt zwar mehr als früher, er schont sie, indem er anstatt zu singen oft einfach den Text nur über die begleitenden Akkorde spricht, mitunter zieht Dylan vergnügt den Ton hoch und paraphrasiert nach Gutdünken. Auf diese Weise sucht er neue Zugänge zu den "alten Hadern" – wie etwa bei "Just like a woman" oder "Like a Rolling Stone".

So sorgt Bob Dylan für Dissonanzen, auch innerhalb der Zuhörer. Das überaus heterogene Publikum ist sich nicht sicher, was es von diesem Auftritt halten soll. "Vor zwei Jahren war’s besser", moniert ein 40-jähriger Fan, der etliche Dylan-Konzerte gesehen hat. Bei nicht ganz so Dylan-erprobten Besuchern sorgte das Konzert für leuchtende Augen, super sei es gewesen. Und: "Himmel, es ist Bob Dylan. Da ist es egal, was er macht!"


Bob Dylan in München