n.B.u
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Bob Dylan in Munich 1999 - Bootlegcover


München 1999
Tagesspiegel
von
Dirk
Schönlebe


Bob Dylans einziges Deutschland - Konzert in Münchens Olympiahalle

Es war John Lennon, der einmal sagte: "Der Leib des Rock war Elvis, 
Bob Dylan ist sein Geist. "Das Schicksal von Elvis und Lennon ist 
hinlänglich bekannt, und es ist noch nicht lange her, da schien Bob Dylan 
ihnen zu folgen. Eine lebensbedrohliche Herzbeutelinfektion ließ ihn an die Himmelspforten klopfen, doch er wurde noch nicht eingelassen. Stattdessen erholte er sich und spielte, gleichsam als Dank für die verweigerte Türöffnung, vor Papst Johannes Paul 2.Er nahm seine "Never Ending Tour" wieder auf, die ihn auch nach München führte zu seinem einzigen Konzert in Deutschland.

Der Veranstalter hatte die Arena der Olympiahalle bestuhlen lassen, 
schließlich sind die meisten Dylan - Fans aus dem Alter der wilden Tänze 
hinaus. Als eine Stimme über Lautsprecher dann aber "Mister Bob Dylan" ankündigte, erinnerten sich die Besucher wohl an ihr erstes Dylan - 
Konzert, stürmten zur Bühne und hießen ihr Idol mit stehenden 
Ovationen willkommen.

Dylan kam. Im schwarzen Anzug mit silbernen Steifen an der 
Seitennaht, die Gitarre lässig vor der Brust baumelnd, das Haar wirr 
wie immer, stellte sich vor das Mikrofon und ließ ein Gemurmel hören, 
das entfernt an "Thank you" erinnerte. Bei Konzertbeginn war noch 
nicht zu erkennen, welche Art Auftritt dieses Mal zu erwarten war. Lustlos oder voller Feuer, vielseitig lang oder beleidigend kurz, alle Variationen kennt man von ihm. Nach dem ersten Song, Friend of the Devil , schien er sich entschieden zu haben und nahm John Lennons Satz allzu wörtlich. Eher an ein Gespenst denn an eine lebende Folk - Legende erinnerte er, wippte manchmal ein wenig mit dem linken Fuß und wirkte ansonsten so, als sei er zufällig und eigentlich gegen seinen Willen auf der Bühne. Routiniert, aber ohne Enthusiasmus spielt er die Songs herunter, hangelt sich von Tambourine Man über die Masters of War bis 
Hang on Betty Blue.

Vor München war Bob Dylan in Ischgl im Paznautal aufgetreten, auf 
einem Benefizkonzert zu Gunsten der Lawinen- Katastrophen - Opfer. 
Dylan spendete nichts, spielte gelangweilt und ein Kommentator bewertete seinen Auftritt denkbar ungnädig: "Hätte er sich die Lawinenschäden angesehen,  hätte er vielleicht doch einen Teil seiner Gage gespendet. Oder wenigstens besser gesungen". In der gut gefüllten Olympiahalle schien er an diesem Auftritt anzuknüpfen. Seine Soli wirkten kraftlos, seine Stimme war dünn, und sein Gesang noch leiernder als gewöhnlich. So ging es knapp achtzig Minuten.

Doch als die ersten Akkorde von Highway 61 Reviseted erklungen waren, änderte sich alles. Es wurde laut, es wurde kraftvoll, es wurde ein 
Rockkonzert. Dylan leierte nicht mehr, er sang. Sein Gitarrenspiel wurde 
stärker, seine Stimme  akzentuierter, er ließ sich von seiner Musik 
mitreißen. Mit Love Sick von seinem letzten, gefeierten Album 
Time Out of Mind und - wunderbar - Not Fade Away. Man war schon 
versöhnt für den lahmen ersten Teil, als er zum letzten Schlag ausholte. 
Like a Rolling Stone hat Dylan in den späten Sechzigern zur Kultfigur 
des bürgerlichen Proteste gemacht. Like a Rolling Stone wollten seine 
Fans damals sein, und dieses Lied war der Schlusspunkt des Münchner 
Konzertes. Dann war alles Jubel, und Dylan entwischte sogar ein Lächeln.
Ohne Gruß und ohne Dank ging er, so gefeiert wie er gekommen war.

Im Juni und Juli wird er gemeinsam mit Paul Simon durch die Vereingten 
Staaten reisen.


Bob Dylan in Munich 1999 - Bootlegcover