n.B.u
REVIEWS 
MÜNCHEN 

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Friends and their strangers
Günter Amendt
Konkret 8 / 2000


Reunion Sundown
von Günter Amendt


War Forever Young, Zugabe des Münchner Konzerts, als Konzession an den bundesdeutschen Veranstalter zu verstehen? Wurde Dylan unter Druck gesetzt oder erlag er dem Aufforderungscharakter des Leitmotivs, das als Endlosschleife über die elektronische Anzeigetafel des Olympiastadions huschte:
 Foreveryoungforeveryoungforeveryoungforeveryoung... 

Sollte es sich um eine Konzession gehandelt haben, dann war es auch eine Provokation. So hingerotzt und hingehauen hat Dylan kein anderes Lied auf der ganzen Tour, und noch heute bin ich davon überzeugt, dass zumindest diese Nummer mit niemandem abgesprochen war, denn Dylans verblüffte Mitspieler brauchten einige Zeit, bis sie mitbekamen, was gespielt wurde. Noch bevor der erste Ton aus den zu schwachen Boxen des Münchner Stadions kam, wurde Backstage erst einmal wieder für klare Verhältnisse gesorgt. Die Rangfolge, die ja nicht nur eine künstlerische ist, sondern immer auch die Bestimmung des Marktwertes einschließt, wurde neu festgelegt. Die Baez trat vor Santana und Dylan auf und nicht wie in Hamburg zwischen den beiden. Bei dieser Position blieb es auch für den Rest der noch ausstehenden bundesdeutschen Konzerte.

(...)

Als ich nach München kam, war überall zu hören, es käme hier nicht zur Wiederholung des Hamburger Finales. Dessen negativer Nachhall war noch im Süden der Republik zu registrieren. Es sollte noch dicker kommen.

Kaum ist die Baez auf der Bühne, spielt sie sich auch schon an die Rampe. Bobbys Bodysprache ist überdeutlich. Beim ersten Gitarrenzwischenspiel dreht er Joan Baez den Rücken zu. Als die beim Klang von Santanas spanischer Gitarre wieder den Rock rafft und trippelnd auf Bob zutanzt, flüchtet der sich entsetzt zu seinen Musikern. Dylan, der sich auf der Bühne kaum bewegt, der am Mikrophonständer zu kleben scheint, der nur, wenn er die Gitarre tauscht oder an der Technik herumfingert, den Standort wechselt, zieht sich fluchtartig zwischen Keyboard und Bass zurück und sendet einen flehenden Blick in den Münchner Nachthimmel: "Oh Sir God help me. No."