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BERLIN 
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Dylan in Berlin 2002 - Bootlegcover


Berlin 2002
von
Norbert Baro
n . B . u


Summer Days in der Arena

Something is happening  ...
Wir waren zu dritt - mein Sohn Thomas, mein Arbeitskollege  Mark und ich. Dreie, die schon einige Dylan - Erfahrungen hinter sich hatten:
Nürnberg 78 (Mark) über Offenbach1991, Berlin 1995 - 2000,
Braunschweig 2001. Thomas und Mark waren vom 98er Berliner
Waldbühnen - Konzert leicht  Dylan geschädigt (,,unverschämt kurz - nach 70 Minuten war Schluss ...") . Aber sie versuchten es aufs Neue.

Ausverkauft
Wir kamen frühzeitig in Treptow an und erkämpften uns einen 
guten ,,Sichtplatz" in der Arena - ein altes Strassenbahndepot - und
warteten ca 20 Reihen vor der Bühne auf Bob´ s Auftritt.
In den letzten Tagen gingen in Berlin die Tickets weg wie warme 
Semmel. Das Konzert war mit 8000 Zuschauern ausverkauft.


Pauken und Trompeten
Bevor es endlich los ging,  durften wir fast eine Stunde klassische
Musik über uns ergehen lassen, ich kannte das schon von einigen Bootlegs
aus den Konzerten der 2001er Tour.Pünktlich um 20 Uhr, nach einigen Paukenschlägen,  ging die Show mit dem üblichen ,,Good evening..." los.

Unverschämt lang
Uns erwartete eine mehr als zweistündige Show - mit allem, was wir 
uns gewünscht haben: ein Dylan in Hochform, gut an der Gitarre, mit
einer  vollen,  knarzigen Stimme,  Songinterpretationen, die mit 
häufigem Zwischenapplaus des Publikums belohnt wurden, eine 
Achterbahnfahrt durch alle Stilrichtungen - vom krachenden  Rock,
zum zarten Folk oder düsterem  Blues, bis zum fröhlichen Rockabilly
- und, das nicht zu knapp,Bob mit  seiner Harp.  

Highlight
Um es gleich zu sagen: Summer days war das Highlight des Abends.
Als die Band endlich mit diesem Stück zum Ende kam, tobte das Publikum,
die Musiker schauten sich erstaunt lachend an und konnten selber 
nicht ganz begreifen, was sie gerade zustande gebracht hatten.
Von seiner neuen Scheibe - Love & Theft - spielte er  vier Songs.
Mississippi war leider nicht dabei, aber auch für die anderen hat 
sich das Kommen gelohnt.  

Überraschung
Lange nicht gespielt: Solid rock von der von vielen ungeliebten
Saved - Lp, neu arrangiert rockig und bluesig gespielt und ich muß 
gestehen, ich habe im Konzert den Song nicht erkannt.Mit einem weiteren Song - Not fade away - habe ich auch nicht gerechnet.

Still und leise
Im akustischen Teil erwarteten uns tolle Versionen von 
Boots of Spanish Leather und vor allem Visions of Johanna.
Was für ein Kontrast! Erst  das unheimliche All along the watchtower
dann die leisen, sanft gesungenen ,,Visionen". Alle drei Songs waren
einer der vielen Höhepunkte des Abends.

Dylan und seine Band
Sie spielten anfangs routiniert, später mit viel Freude und Engagement.
Man hatte den Eindruck, dass sie zwischendurch selber von ihrer
aussergewöhnlichen Vorstellung überrascht wurden. Tony hatte den 
neuen Drummer fest im Griff und zeigte ihm,  wo es lang ging. Er dankte 
es mit einem knochenharten Beat  bei den Rocksongs. Charlie und
Larrie glänzten mit Gitarrensolos, Backgroundgesängen  bei 
I am the man, Thomas, sowie Blowin´ in the wind und beim Klopfen 
an The heaven´s door.

In den Wind gesungen
Bob Dylan sang und ,,tanzte" und ging vor lauter Ausgelassenheit am Ende 
rockend in die Knie, aber er sagte  ansonsten den ganzen Abend über
kein einziges Wort. Muss er auch nicht. Mit Revisited schickte uns Bob 
auf den Treptower S - Bahn Highway  - zurück in den Alltag. 
Stürmischer Applaus vom Publikum zum Abschluss heisst übersetzt:
Thank you, Bob. Und für Mark und Thomas war das Konzert in der Waldbühne erst einmal vergessen.


Dylan in Berlin 2002 - Bootlegcover