n.B.u
BERLIN 
REVIEWS

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Bootleg Bob Dylan in Berlin 1996


Berlin 1996
General
Anzeiger
von
Verena Schmitt





Der gute Rock´ n Roll hat wieder Hochkonjunktur

Wieder ist er auf seiner Endlostournee in Deutschland unterwegs, Bob Dylan, der Altvater der Nachkriegs - Singersongwriter, der Mann, der dem Rock ´n Roll Worte verlieh. Und wieder hält er wie beim Auftakt in Berlin sein Publikum mit seiner Unergründbarkeit bei derStange;damit;
und mit seinem unglaublichen Reichtum aus mehr als 3000 Songs und einem authentischen, hausgemachten Hinterhof - Rock.

Bob Dylan gerade 55 geworden, ist ein ausgesprochen verschlossener Poet. Einer, der gern die Musik für sich sprechen läßt. In den letzten Jahren ist aufgefallen, daß Dylan sich selbst als Gitarrist entdeckt hat. In gleichem Maße, wie seine Produktion neuer Songs abnimmt - man sagt dem Meister eine gewisse Schreibhemmung nach - , steigt zweifellos seine Neigung, die alten Songs mit immer mehr Gitarrensoli aufzublähen. Dabei spielte er in Berlin teils prächtige Duette mit seinem Leadgitarristen John Jackson, teils  Endlosschlangen alleine.

Man hat wie immer den Eindruck, dass Dylan sein Werk tatsächlich jeden Tag neu erfindet, die Songs je nach Laune spielt. Der Charme des Ganzen entsteht aus dieser Unberechenbarkeit und aus der Ahnung von Authenzität. Der Mann ist das Gegenteil der Plastikbands der 90er Jahre. In seinem  legendären Näselgesang lotet er sämtliche Nuancen zwischen üblem Gegröle und ehrlichem Wolfsgeheul aus und kommt damit mitunter zu neuen,rührenden oder rebellischen, jedenfalls einzigartigen Interpretationen seiner Songs. In Berlin waren es wieder einmal die
Rainy Day Women, Love Minus Zero  und My Back Pages. Das Publikum , eine Fangemeinde, war dankbar. 


Bootleg Bob Dylan in Berlin 1996