n.B.u
BERLIN 
REVIEWS

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Bootlegcover Berlin 1995


Berlin 1995
Tempodrom
von
Wolfgang Doeberling
Rolling Stone


Bob Dylan  - Berlin, Tempodrom


We are not worthy: Es ist die Dialektik des Understatement, mit der uns Bob Dylan ein ums andere Mal drastisch vor Augen führt, daß nicht er uns, wir aber sehr wohl ihn brauchen. Seine Bühnen - Vasallen sind derzeit auf Rock justiert: nicht Blues - Rock, nicht Country - Rock, nicht Folk - Rock, nein, einfach nur Rockmusik von der altbackenen , Mittsiebziger, heavy-duty-man-Sorte. Die gesichtslosen Männer mit Hut beginnen zu spielen, Bob fädelt sich ein und dudelt ein wenig mit. Dann aber tritt er ans Mikrophon, wir hören There must be some way outtahere... oder Come gather`round people whereever you roam... und schämen uns, daß wir ihn wieder, und sei es nur für Momente, an Musik, an Sound messen wollten. Mehr als für alle anderen gilt für Dylan: Das Werk ist die Essenz, dann kommt der Künstler, dann erst die Verpackung.

Wie seit jeher läßt sich Bob Dylan als Columbia recording artist ankündigen, und das ist mehr als eine Geste. Sony steht für Hardware und für Software, während Dylan sich nicht zuletzt durch die unzeremonielle Präsentation seiner Kunst gegen jede Art von Ausverkauf sträubt. Er macht einen verschlossenen Eindruck heute, blickt beinahe grimmig, und es gibt kaum Rapport mit dem Publikum, doch wird der 20minütige akustische Part erwartungsgemäß begeistert aufgenommen. Tangled up in blue gewinnt durch die Sparsamkeit der Begleitung, und man hört die Lap-Steel heraus, während Girl from the North Country durch Dylans melodisches improvisieren näher an Scarbourough Fair ist als je zuvor. Am Ende ein paar kurze Verbeugungen, mehr für sich selbst als für die applaudierende Menge, dann drei Zugaben: Knockin ´ on Heaven ´s Door, ein wehmütiges The Times They Are A - Changin ´ und schließlich ein ädäquat rumpelndes Rainy Day Women. Everybody must get stoned.


Bootlegcover Berlin 1995