n.B.u
BERLIN 
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Bootlegcover Berlin


Berlin 1995
Berliner
Morgenpost
von
Peter E. Müller 



Der Meister des Wortes und seine staubigen Outlaws
Bob Dylan und Band im ausverkauften Tempodrom

Es ist schon etwas Besonderes, wenn er in der Stadt ist. Da zerplatzt so
manch anderer poppiger Event als bunte Seifenblase .

Seit Monaten bereits ausverkauft war das Berlin-Gastspiel von Bob Dylan
im Tempodrom, und wenn der Großmeister des gesungenen Worts an
diesem Abend eines manifestiert hat, dann das: er hat zu neuer Form
gefunden, zu neuem Profil, zu berechenbarer Größe. Seit mehr als 30
Jahren ist er im Geschäft. Er hat sich sozialkritisch engagiert, hat
klassenkämpferische Strophen verfasst, hat sich später gar als singender
Prediger versucht. 

Heute ist der 54jaehrige einfach das, was er eigentlich
schon vor 30 Jahren werden wollte: ein Rock´ n Roller, mürrisch, markant
und von mysteriöser Melancholie. Sozialkritik überlässt er anderen. Er
verwaltet sein eigenes Erbe, ohne museal zu werden. Er verpackt seine
Lieder in lautstarke Rock- Arrangements, gibt sich als "lonesom rider" mit
einer ausgebufften Gang  staubiger Outlaws frisch aus der amerikanischen
Prärie im Rücken. Es sind die Musiker, die ihn schon bei seiner 
MTV Unplugged - CD unterstützten. Jetzt aber können sie sich die
E-Gitarren umhängen und so richtig Druck machen. Und während 
Gitarrist John Jackson sich meist auf  versiertes Rhythmusspiel beschränkt,
widmet sich Dylan verstärkt den mitunter etwas seltsamen Saiten - Soli.
Mit einem wie versteinert wirkenden Gesicht, in denen sich die Falten wie
Jahresringe einer langen Karriere  eingegraben haben, knirscht Dylan seine
Texte, stößt nasal und keuchend seine Songs ins Mikrophon. 

Hunderte von Fans die keine Karte mehr bekommen konnten, harrten
während der Zwei -Stunden - Show vor dem Zelt aus, während drinnen
unter der Schulter- an Schulter vollgepackten Plane Songs von 
All along the watchtower  bis Under the red sky  in bestem Sound
erklangen. In der Mitte der Show wechselten Dylan und seine Gang dann
doch zu akustischen Instrumenten, begeisterten unter anderem mit eine
wunderschönen Version von Love minus zero, um zum Finale wieder
mächtig aufzudrehen : Knockin´on heaven´s door (mit dem Zusatz "like so many times before"), The times they are a-changin´
Rainy day women # 12 & 35  - das Zelt drohte abzuheben bei so viel
Applaus.


Bootlegcover Berlin