n.B.u
BERLIN 
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Bob Dylan in Berlin 1978


Berlin 1978

Die Welt (1)
von
Peter Detzner


Entschwunden ist der Haß
Pfiffe und Jubel für Bob Dylan: Die Wandlung einer Legende der 60er Jahre - Kritik und Kommentar zu einem ,,Ereignis"

Wo jeder Tralala - Singer hierzulande seine Chance bekommt, wenn er die Absicht äußert, sein Image und seine Musik zu ändern, wird ein Bob Dylan erbarmungslos ausgebuht. Manch ein Dylan - Anhänger mag mit zwiespältigen Gefühlen die Deutschlandhalle verlassen haben nach einem Konzert, das ich dennoch als Rock - Ereignis des Jahres bezeichne. Die Reaktion im Publikum auf den ,,neuen" Bob Dylan war unterschiedlich - die Buhrufer und die Begeisterten mögen sich vor der Pause die Waage gehalten haben.

Wer Dylan seiner Texte wegen mag, kann mehr als nur begeistert gewesen sein - so deutlich und verständlich hat man sie selten gehört. Er nuschelt sich nicht mehr durch seine Gedichte, er bellt nicht mehr die Worte ins Mikrofon, er singt jetzt deutlich und vernehmlich. Der Unterton des Protestes, - in der Deutschlandhalle gab er sich mehr denn je als ein Rockperformer, der sich bemüht, seine Anhänger zeitgemäßer anzusprechen.

Die Lieder von Dylans letzter LP Street Legal haben in seinem Programm den Hauptanteil - hin und wieder werden die alten Songs eingeflochten. Der Sound jener neuen LP ist auch auf die alten Texte übertragen. Don´t think twice it´s allright im Reggaerhythmus war ein echter Höhepunkt. Die Hymnen des Movements und des Jugendprotestes der 60er Jahre wie etwa Blowin´in the wind, Like a rolling stone, Masters of war - sie kommen alle im neuen Gewand daher.

Für dieses neue Gewand sorgen eine achtköpfige Band und drei schwarze Sängerinnen. Sie sind identisch mit der Crew der Studiomusiker, mit denen Dylan Street Legal produzierte. Ein fetter und erdiger Hintergrund, ein Sound, in dem Bob Dylans sämtliche musikalischen Erfahrungen seiner 17jährigen Laufbahn verarbeitet sind. Störend wirken die drei
Background - Vokalistinnen, deren Gospel - und Soulstimmen die Arrangements zu sehr verwässern. Dylans Stimme ist weicher und satter.

In seiner Combo fallen besonders der Saxophonist Steve Douglas und der Gitarrist Billy Cross auf. Ihre Solos bewegen sich ganz in der Tradition großer Rhthm´ and Blues - Vorbilder. Countryelemnte bekommen durch das Geigenspiel David Mansfields ihren Platz.

Gleichgültig wie die Fans auf Bob Dylans Versuch reagierten, die Songs und Gedichte aktueller zu verpacken, Lyrik der besten Sorte bleiben sie allemal. Es gibt keinen Songschreiber, der das Talent eines Dylan erreicht, die Sprache der Straße in eine solche Form zu bringen.

Zum Schluß hatte er doch noch die Mehrzahl der 10000 Besucher auf seiner Seite. Bob Dylan der Rocksänger, beeindruckte nicht weniger als Bob Dylan, der Protestler

 


Bob Dylan in Berlin 1978