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HAMBURG 1984

Pressekonferenz im Clubhaus

 

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©  Norbert Baro
Last update
6. Oktober 2001

 

 

 

 


 Clubhaus des FC  St. Pauli am Millerntor in Hamburg.
Pressekonferenz mit Bob Dylan , Joan Baez und Carlos Santana
31. Mai 1984 

Bevor sich Dylan allerdings den Fünfzehntausend im Stadion zeigen 
konnte, hatte er sich erneut der Prozedur einer Pressekonferenz zu 
unterwerfen, die allen, die sich irgendwann einmal mit der 
Geschichte dieses Mannes  beschäftigt haben, wie ein Deja-vu-Spuk 
erscheinen musste.

Über der Veranstaltung im Vereinshaus des FC St. Pauli lag eine 
Stimmung gereizter Erwartung, angereichert mit einer aufgegeilten 
Nervosität. Der Veranstalter, erfahren und geübt in derartigen 
Inszenierungen, hatte um die Pressekonferenz eine Hektik entfaltet,
 die jedem, der schließlich zugelassen wurde, das Gefühl geben musste, 
an einem besonderen und einmaligen Ereignis teilzunehmen. 
Prominentengeilheit strömte aus allen Poren und vernebelte 
wie schwerer Moschusgeruch die Köpfe der Journalisten 
so, dass sie, als  Dylan endlich in Begleitung von Santana erschien, 
anstatt Fragen zu  stellen, nur noch Gelalle absonderten.


Aus
Reunion Sundown
von Günter Amendt

Natürlich war jedermann bemüht, sich von der Atmosphäre, zu deren 
Entstehen er wie jeder andere Anwesende beigetragen hatte, nicht 
ergriffen zu zeigen. Geil zu sein und es nicht zeigen zu dürfen, 
das schafft Gereiztheit. Man gab sich cool und unbeteiligt und versuchte, 
seine Aufgeregtheit auf die alltägliche 
Selbstverständlichkeit des Journalistenberufs 
herunterzuschrauben.

Es war nicht sonderlich geschickt, passte aber zur Stümperhaftigkeit, der 
man auf dieser Tour noch öfter begegnen sollte, die Presseleute 
aufzufordern, nur Fragen zu stellen, die Dylan auch beantworten würde. 
Das war naiv, wenn auch gut gemeint, das war Ausdruck von Erfahrungen,
 gab aber auch Anlass zu Missverständnissen. Es sollten doch nur die 
Grenzen zum Privaten und Intimen abgesteckt werden, deren 
überschreiten Dylan nicht zulassen würde. Einer verließ nach dieser 
Anmache protestierend den Konferenzraum. Die andern blieben, obwohl 
auch sie hätten gehen müssen, denn die meisten hatten just jene Fragen 
auf der Pfanne, die ihnen der Veranstalter gerade auszureden versuchte.

Ich weiß, wovon ich rede. Als Dylan den Raum betreten und an 
einem Tisch Platz genommen hatte, der parallel zur 
Schanktheke aufgestellt worden war, stürzte ein Journalist auf 
mich zu, offenbar, um bei mir loszuwerden, was 
er Dylan nun doch nicht mehr zu fragen wagte: "Sie sind doch 
Drogenexperte. Sagen Sie mir, auf welcher Droge Dylan ist."

Nach einigen belanglosen Fragen zu Dylans Stimmung, seinem 
Allgemeinbefinden und einem Test auf seinen politischen Wissensstand
 ( "Kennen Sie die Friedensbewegung in Germany?" ) 
steuert die Pressekonferenz auf einen Höhepunkt



Was sagt Ihnen der Begriff pleasure ?

tiefenpsychologischer Fragetechnik: "Was sagt Ihnen der Begriff
 "pleasure"?" Dylan soll irgendwie auf die Frage eingegangen sein. Ich 
hatte die Pressekonferenz bereits verlassen und wurde so auch nicht 
Zeuge des Augenblicks, als Joan Baez die Szene betrat.

Was drängt Dylan, an derartigen Veranstaltungen teilzunehmen? 
Oder sollte man gleich fragen: Wer drängt ihn? Hatten ihn die 
Alarmmeldungen über den schleppenden Kartenvorverkauf in 
der Bundesrepublik erreicht? War er in die Promotionmühle seines US-amerikanischen Topmanagers geraten? Musste er seinen Tribut 
leisten an das reichlich verspätete Bemühen, eine schlecht vorbereitete 
Tour in der Gunst der Medien und des Publikums zu heben? 

Dylans Umgang mit der Presse, die Art, wie er gelegentlich einzelne 
Vertreter der Massenmedien behandelt und abfertigt, ist legendär. Leicht 
wird dabei übersehen, dass er im Laufe seines langen Künstlerlebens 
einige aufschlussreiche, interessante und informative Interviews gegeben 
hat, wobei er, wie andere Berühmte auch, die Massenmedien oft nur 
benutzte, um sich zu erklären, wo er sich missverstanden fühlte. So, 
als er beispielsweise der überwiegend verständnislosen Kritik an 
seinem filmischen Meisterwerk
Renaldo and Clara entgegentreten wollte. 
Was letztlich auch von diesen Interviews zu halten ist, hat 
Dylan selbst ausgesprochen 
"The worst song I've written is better than any interview": 
eine Selbsteinschätzung, an die man sich erinnert, wenn man an sein 
Rolling Stone- Interview kurz vor Beginn der Tour denkt. Alles, 
was er dort zu
Infidels zu sagen hatte, fällt weit zurück hinter das, 
was er in 
Infidels gesagt hat. 


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